WildHub ist ein innovatives Online-Plattform-Modell, das seit 2018 die Verbindung zwischen nachhaltiger Wildnis und unternehmerischen Initiativen vorantreibt – nicht als reiner Dienstleister, sondern als eine Community, die Ökosysteme mit wirtschaftlichem Nutzen verbindet. Das Konzept basiert auf der Idee, dass bewirtschaftete Wildnis nicht nur ökologische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Werte generiert. Besonders in Deutschland, wo die Agrarlandschaft zunehmend durch Intensivierung und Spezialisierung geprägt wird, bietet WildHub eine Alternative: Es fördert die Rückkehr von artenreichen Lebensräumen, während gleichzeitig lokale Wertschöpfungsketten entstehen. Der Fokus liegt dabei auf der Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Naturschutzorganisationen und Unternehmen – etwa in der Entwicklung nachhaltiger Rohstoffe oder der Tourismuswirtschaft.
Das Kernmodell von WildHub basiert auf der „Wildniswirtschaft“: Statt klassischer Monokulturen werden Flächen mit vielfältigen Nutzungsansätzen bewirtschaftet. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Wildnispark Oberlausitz“, wo seit 2020 gemeinsam mit der Sächsischen Landesanstalt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) artenreiche Weiden und Hecken als Basis für die Produktion von Bio-Biodiesel, Wildpflanzenöl und Holzenergie genutzt werden. Die Fläche von 1.200 Hektar wird dabei nicht als „Wildnis“ im strengen Sinne, sondern als dynamischer, von Tieren und Pflanzen geprägter Raum betrachtet – mit hohem Biodiversitätsgewinn und gleichzeitigem wirtschaftlichem Potenzial. Die Erträge aus der Wertschöpfungskette (ca. 250.000 Euro pro Jahr) fließen in den Erhalt der Fläche und die Ausbildung junger Landwirte.
Ökonomie der Wildnis: Wie Unternehmen von artenreichen Flächen profitieren
Ein zentraler Hebel von WildHub ist die Vermarktung von Wildnis als „Ökosystemdienstleistung“. Unternehmen wie die Deutsche Post oder die Lufthansa nutzen die Plattform, um nachhaltige Lieferketten zu etablieren – etwa durch den Einsatz von Wildpflanzenöl als Ersatz für fossile Brennstoffe in Flugzeugen oder die Lieferung von Wildgemüse aus artenreichen Feldern an Großhandelsketten. Die Deutsche Post hat beispielsweise im Rahmen eines Pilotprojekts in Niedersachsen bewiesen, dass die Nutzung von Wildnis als Energiequelle für die Logistik (z. B. durch Biogas aus Wildblumenmischungen) bis zu 30 % der CO₂-Emissionen des Paketverkehrs reduzieren kann. Die Kosten für die Flächenbewirtschaftung liegen dabei bei unter 50 Euro pro Hektar und Jahr – ein Geschäftsmodell, das sich schnell amortisiert.
Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Wildnis & Food“ in Thüringen, wo die Firma „Wild & Co.“ mit WildHub zusammenarbeitet. Hier werden artenreiche Beete mit 30 verschiedenen Wildpflanzen angebaut, die als Rohstoffe für Kosmetik, Lebensmittel und Biokraftstoffe dienen. Die Erträge pro Hektar liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro – ein Wert, der durch die Kombination aus Ökosystemdienstleistungen (z. B. Insektenhotels für die Bestäubung) und Direktvermarktung entsteht. Besonders interessant ist dabei, dass die Flächen gleichzeitig als „Grüne Infrastruktur“ dienen und die lokale Biodiversität stärken. Studien zeigen, dass solche Projekte die Artenvielfalt um bis zu 40 % steigern können, während gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit und das Mikroklima verbessert werden.
Die Rolle der Bürger in der Wildniswirtschaft
WildHub setzt auf partizipative Ansätze, um die Akzeptanz für Wildnisprojekte zu erhöhen. Durch Crowdfunding-Modelle und Bürgerbeteiligung können Projekte wie der „Wildnisgarten in Berlin“ finanziert werden, bei dem Bürger:innen direkt in die Bewirtschaftung einsteigen – etwa durch das Pflegen von Hecken oder das Sammeln von Wildkräutern. Das Projekt hat seit 2021 über 1.000 Teilnehmende gewonnen und zeigt, dass nachhaltige Wildnis auch ein soziales Erlebnis sein kann. Die Kosten für solche Projekte liegen bei 800 bis 1.500 Euro pro Bürger:in pro Jahr, wobei die Investitionen in den Erhalt der Fläche und die Bildung zurückfließen.
Ein weiteres Beispiel ist das „Wildnis-Labor in Brandenburg“, wo Schüler:innen und Studierende in Kooperation mit WildHub Wildnisflächen als Forschungsobjekte nutzen. Hier werden Projekte wie die „Insektenhotel-Wirtschaft“ oder die Bewertung von Wildblumen als Nahrungsquelle für Nutztiere entwickelt. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Bewirtschaftungsstrategien ein, während gleichzeitig die nächste Generation für nachhaltige Landwirtschaft sensibilisiert wird. Die Kosten für solche Bildungsprojekte betragen 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr, wobei die Investitionen in langfristige Ökosysteme stecken.
- Seit 2018 hat WildHub über 50 Wildnisprojekte in Deutschland realisiert, davon 30 mit wirtschaftlichem Nutzen.
- Die durchschnittliche Fläche pro Projekt beträgt 500 Hektar, mit einem Ertragsvolumen von 150.000 bis 250.000 Euro pro Jahr.
- Durch die Kombination aus Wildnisbewirtschaftung und Ökosystemdienstleistungen steigt die Biodiversität um durchschnittlich 35 % gegenüber konventionellen Flächen.
- Die Kosten für die Bewirtschaftung liegen bei unter 60 Euro pro Hektar und Jahr, wobei die Investitionen in nachhaltige Infrastruktur steigen.
- Seit 2021 haben über 1.500 Bürger:innen in WildHub-Projekten direkt mitgewirkt, was die Akzeptanz für Wildniswirtschaft deutlich erhöht.
WildHub zeigt, dass Wildnis nicht nur als „Retterin der Artenvielfalt“ gesehen werden muss, sondern als ein dynamisches Wirtschaftssystem, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Werte verbindet. Die Plattform beweist, dass nachhaltige Landwirtschaft und wirtschaftliche Effizienz kein Widerspruch sein müssen – im Gegenteil: Sie schaffen neue Wertschöpfungsketten, die gleichzeitig die Umwelt schützen. Für Unternehmen bietet WildHub die Möglichkeit, nachhaltige Lieferketten zu etablieren, während Bürger:innen die Chance haben, direkt in den Erhalt der Natur zu investieren. Das Modell könnte eine neue Ära der Agrarwirtschaft einläuten – eine, in der Wildnis nicht als Hindernis, sondern als Ressource gesehen wird.